Schatzsucher Literatur Nugget

Öffnungsstrategien

Zuhause grübelte ich über die innere Struktur meines Fundes. Ich konnte nicht begreifen, warum jemand überhaupt ein Stahlrohr benutzt hatte. In der Spalte war der Behälter keinen großen Kräften ausgesetzt, vielleicht aber Feuchtigkeit. Das Rohr ist 30 cm lang, die Wände ca. 4 mm dick. Man hätte mit einem Panzer darüberfahren können. Die Enden trugen keine Kappen, so dass Feuchtigkeit hätte eindringen können. Warum hat man nicht einfach ein Einkochglas benutzt?

Insbesondere ein Gedanke bereitete mir Sorgen. Was war, wenn vor Jahrzehnten chemieinteressierte Jugendliche eine Rohrbombe gebaut hatten, die dann nicht gezündet hatte? Das Letzte, was ich wollte, war mit einem heißen, funkensprühenden Werkzeug in ein Stahlrohr voller Schwarzpulver zu fahren. Insgesamt erschein dies zwar unwahrscheinlich, aber dennoch wollte ich heiße Werkzeuge so lange es ging vermeiden.

Zunächst vermutete ich, dass das Rohr einige leichte Gegenstände beinhaltete und die Enden mit einer organischen Substanz verschlossen waren. Mit Hilfe eines Schraubenziehers - in Hinblick auf die mögliche Pulverfüllung - entfernte ich etwas von der organischen Substanz. Die entfernten Partikel sind auf dem Bild über dem rechten Ende des Rohres zu sehen. Nachdem ich mich 4 cm hineingearbeitet hatte ohne auf irgendwas zu stoßen, versuchte ich es mit der anderen Seite, ebenfalls ohne Ergebnis. Eine Untersuchung der entfernte Stücke ergab, dass es sich um gerolltes, bedrucktes Papier handelte.

Was wäre, wenn das Papier das Rohr nicht versiegelt, sondern der eigentliche Inhalt ist? In diesem Fall hätte ich die Papiere unglücklicherweise schon beschädigt. Der einzige Weg an sie heranzukommen war das Rohr aufzuschneiden. Mit Hilfe einer stationären Bohrmaschine (keine Funken) bohrte ich unter großzügiger Kühlung zwei Lochreihen. Dann konnte ich die beiden Hälften des Rohres endlich voneinander trennen und spürte dabei die gleiche Aufregung wie jeder Entdecker beim Öffnen eines ehemals versteckten Behälters.



(C) Thorsten Straub, www.sondengaenger-deutschland.de