Schatzsucher Literatur Nugget

Rohrhälften nach der Trennung

Das Rohr enthielt ausschließlich Papiere. Was war so wichtig, dass es versteckt werden musste?

So ein Fund ist unter Sondengängern extrem selten [2]. Weder kam in meiner eigenen Suchpraxis ein zweiter, ähnlicher Fall vor, noch wurde so ein Fund meines Wissens jemals in irgendeinem nationalen und internationalen Sondengängerforum beschrieben.

Zunächst fielen mir zwei Broschüren entgegen, jede etwa 40 Seiten stark. Die Druckschriften stammen aus den 1920er Jahren und enthielten politische Ansichten aus dem sozialistischen bzw. kommunistischen Lager. Beide kann man noch heute im antiquarischen Buchhandel für je etwa 20 Euro erwerben.

Es folgt die erste der im Rohr enthaltenen Broschüren. Titel: "Die Wahrheit über Sowjetrußland". Publiziert 1925. Ein Xaver Freiberger war zumindest Co-Autor.

Broschüre "Wahrheit über Sowjetrußland"




Nachfolgend die zweite Broschüre. ”Sowjetrußland und die deutsche Sozialdemokratie – Warum wurde ich aus der Partei ausgeschlossen?” ebenfalls von Xaver Freiberger. Publiziert 1926.

Zweite gefundene Broschüre Titel "Sowjetrußland und die deutsche Sozialdemokratie"

Alle Seiten beider Druckwerke wurden sorgfältig gescannt um Informationsverluste im Falle des weiteren Verfalls zu vermeiden. Während des Scannens kam ich zu der letzten Seite der zweiten Broschüre. Hier wartete eine große Überraschung in Form einer hineingelegten, handgeschriebenen Seite. Sie war in altmodischer Handschrift geschrieben, die ich kaum lesen kann, die jedoch meiner Tante und meinen Nachbarn, in den 1930er Jahren geboren, keine Probleme bereitet.

Als höchst unerfreuliche Folge meiner eingangs erwähnten Öffnungsversuche mit dem Schraubenzieher fehlten die Enden der meisten Zeilen. Gleichwohl ist die allgemeine Natur des Schreibens klar. Es war ein kommunistisches Manifest. Die Unterzeichner, Mitglieder von SPD und KPD, legten darin ihre politischen Überzeugen nieder. Ein guter Teil des Textes preist Lenin. Der letzte - komplette - Satz lautet "Lenin ist tot, aber sein Werk lebt." Nach meiner Meinung ist dies die Essenz des gesamten Dokumentes.

Das Manifest ist von mehreren Personen unterzeichnet, was diesen Fund zu etwas ganz Besonderem macht. Bei üblichen Sondengängerfunden, wie Münzen und Schnallen, bleibt die Person, die sie einst verlor oder verbarg, praktisch immer anonym. Man kann die Objekte bestimmen und datieren, aber sie beschreiben nur die materiellen Lebensumstände des Menschen, nicht seiner Persönlichkeit, Motive, Wünsche und Gedanken. Dieser Umstand liegt wie ein Schatten auf der gesamten Archäologie [3]. In seltenen Fällen wie diesen jedoch kann ein Artefakt ein Schlaglicht auf konkrete Lebenswege werfen.

Durch Anklicken des Bildes gelangt man zu einem hochauflösenden Scan des gesamten Dokumentes. Der Klartext [1] ist in schwarzer und roter Schrift hineinkopiert.

Kommunistisches Manifest Der Klartext in Druckschrift wurde dem Bild zum besseren Verständnis nachträglich hinzugefügt. Zum Vergrößern anklicken.

Das Manifest

Die zentrale Person dieser Verbergung war offenbar Xaver Freiberger, Unterzeichner des Manifestes und Autor der ebenfalls versteckten Broschüren. Um mehr über diesen Herrn Freiberger zu erfahren, kontaktierte ich das Münchener Büro der SPD. Dort verwies man mich an einen Herrn Dr. Hoffmann, der mir einige biografische Daten zu Xaver Freiberger gab und mich seinerseits an Herrn Gerstenberg vom Archiv der Münchener Arbeiterbewegung verwies [6].

Herr Gerstenberg, ein Münchener Historiker, der sich intensiv mit der Münchener Arbeiterbewegung auseinandergesetzt und über diese Themen auch publiziert hatte, war eine sehr große Hilfe. Er gab mir weitere Informationen zu Xaver Freiberger, stellte eine weitere "Klartextversion" zur Verfügung und schlug sogar eine Rekonstruktion der fehlenden Passagen vor. Mit Herrn Gerstenbergs Erlaubnis folgt nun der Text des Manifestes. Seine Vorschläge zur Rekonstruktion der verlorenen Passagen stehen in Klammern.


Am Grabe (Leni)ns
Der größte aller Toten ruht im ro(hen Sarg, - der) Mann, zu dem in Ehrfurcht und Treue u(nd Begei)sterung das Heer der Armen und Entrec(hteten auf)blickt – und der Mann, dessen Namen (die Für)sten der ganzen Welt aus den Anal(en der Ge)schichte streichen möchten.
Schlicht und einfach war der S(arg und die Gruft,) in der er ruht – und doch im (Geiste) erhaben wie das Werk, das dieser Genius der Menschheit baute.
(Schild) und Pannier das Z(eichen des Sta)dt- und Landproleta(riats. Wir) grüßen sie ernst und schwe(igend.)
Und drunten ruht, was (einer) der größten Geister war. Lenin. Wacht auf und (handelt!) Sein Werk zu vollenden, geloben (wir an seiner) Gruft.
Lenin ist tot, aber sein Werk lebt.
Wilhelm Berker, Sattler, SPD
Fritz Köhlitz, Lehrer, KPD
Walter Szeman (?), KPD
Freiberger X
Hans Pfa(ller), Metallarbeiter, KPD.


Zwischenresumee

Zum ersten Mal in allen meinen Jahren des Suchens treten namentlich genannte Menschen durch einen Fund aus dem Dunkel der Geschichte. Eine solche Zeitkapsel ist extrem selten, nicht nur unter Sondengängerfunden, sondern allgemein [2]. Fünf Männer um Xaver Freiberger aus SPD und KPD im München der 1930er Jahre legen ihre Überzeugungen schriftlich nieder und unterzeichnen. Gemeinsam mit Schriften von Xaver Freiberger wird das Dokument in einem Stahlrohr in einer Felsspalte verborgen, vermutlich von einer oder mehreren der unterzeichneten Personen. Daraus ergeben sich folgende Fragen:

Motiv der Verbergung


Beginnen wir mit einer Theorie zur letzten Frage. Wie üblich beim Deuten von Verbergungen muss man die gesellschaftliche Situation bedenken [4]. Als Hitler 1933 an die Macht kam, wurde die Situation für Anhänger der SPD und, insbesondere, KPD zunehmend kritisch und gefährlich. Hitlers Hass auf Russland war so intensiv, dass er den 2. Weltkrieg anfing. (Die deutschen Angriffe auf Länder in West- und Nordeuropa im ersten Drittel des zweiten Weltkrieges dienten lediglich der Vermeidung eines Zweifrontenkrieges, der die deutsche Armee im ersten Weltkrieg schwer belastet hatte. Hitlers Primärziel war weder England noch Frankreich, sondern Russland.) Sozialisten und Kommunisten wurden in der NS Zeit verfolgt, einige in Konzentrationslager geschickt. Meiner Meinung nach fühlten die 5 Unterzeichner die Gefahr. In einer Zeit, in der die Wohnung nicht mehr sicher war, verbargen sie die Gedanken, die ihnen besonders wichtig waren, an einem sicheren Ort und versuchten sie so vor der Auslöschung und dem Vergessen zu bewahren.

Auch Herr Gerstenberg äußerte sich in diesem Sinne:

"In seinem trotzig-pathetischen Stil spiegelt der Text die Zeit und die Situation wieder. Die fünf Männer, die ihn als Brief in einem Stahlrohr verbargen, waren höchstwahrscheinlich in der verzweifelten Situation vor den Nazis und ihrem Regime fliehen zu müssen."
(sinngemäßes Zitat)

Keiner der fünf kam je zurück um das Rohr wieder an sich zu nehmen. Jahrzehntelang mussten die Beteiligten befürchten, dass das eingetreten war, was sie durch die Verbergung vermeiden wollten: dass sie und ihre Überzeugungen in Vergessenheit geraten waren. Sieben Jahrzehnte nach der Verbergung kam der Zufall in Gestalt eines Sondengängers. Er fand das Rohr, ermittelte und deutete mit Hilfen von Fachleuten den Inhalt und stellte ihn ins Internet. Sobald er da einige Zeit gestanden hat, wird ihn niemand mehr - selbst der Betreiber dieser Website nicht - herausnehmen können. Näher kann man an die Unzerstörbarkeit einer Botschaft nicht kommen. Diese fünf Männer sind heute (2008) wahrscheinlich lange tot, aber ich bin mir sicher, dass ihnen diese unerwartete Entwicklung sehr gefallen hätte.


Die Unterzeichner

Wer waren die Unterzeichner?
In Vorbereitung dieses Artikels habe ich versucht soviel wie möglich über die Unterzeichner herauszufinden, insbesondere über Xaver Freiberger, der die zentrale Figur zu sein scheint.

Es gibt wenige Schriftquellen. Die SPD zerstörte in der NS Zeit viele Akten, damit sie nicht in falsche Hände fielen. Einige sind heute in den Beständen der Friedrich Ebert Stiftung, Bonn, wo sie für mich unerreichbar sind. Darüber hinaus hatte die SPD wohl auch wenig Veranlassung, Informationen über Xaver Freiberger zu sammeln, nachdem er 1926 aus der Partei ausgeschlossen worden war (s.u.). Dennoch konnte ich das Nachfolgende zusammentragen. Besten Dank an die SPD, Ortsverband Oberbayern, Dr. Hoffmann und, insbesondere, Herrn Gerstenberg.



Xaver Freiberger
Xaver Freiberger wurde 1878 in einem Ort namens Apfeltrach geboren. In Deutschland gibt es nur einen Ort dieses Namens, er liegt einige km südlich von Mindelheim, das etwa 80 km westlich München liegt. Er war Tischler bzw. Schreiner von Beruf.

1925 leitete er das Zentralkomitee des Arbeitsrates [5]. In dieser Eigenschaft war Herr Freiberger Mitglied einer Gruppe, die 1925 nach Russland reiste um einen Eindruck von den dortigen Lebensumständen zu erhalten. Nach seiner Rückkehr veröffentlichte er das erste der beiden im Rohr enthaltenen Broschüren "Die Wahrheit über Sowjetrußland". Seine dort geäußerten Ansichten waren so viel radikaler als die offizielle SPD Linie dieser Zeit, dass die Partei ihn 1926 ausschloss, vermutlich mit Wirkung zum 1. Januar. Herr Freiberger versuchte daraufhin vergeblich, die SPD zu seiner Wiederaufnahme zu bewegen.

Herr Freiberger war - je nach Sichtweise - ein unabhängiger Denker oder ein schwieriger Charakter, der sich nicht unterordnen konnte. 1926 publizierte er das zweite gefundene Heft "Sowjetrußland und die deutsche Sozialdemokratie - Warum wurde ich aus der SPD ausgeschlossen?" im Eigenverlag. Darin druckt er Teile seiner Korrespondenz mit der Partei ab und erläutert seine Sicht der Dinge.

Eher widerwillig tritt Herr Freiberger 1929 der KPD bei. Die SPD lag sehr viel näher an seinen politischen Überzeugungen, die Rückkehr dorthin blieb ihm jedoch verwehrt und die KPD war wohl besser als nichts.

Zu meinem Bedauern konnte ich keinerlei Information über sein Schicksal nach 1933 erlangen. Ob er die NS Zeit unbeschadet überstanden hat, kann gegenwärtig leider nicht beantwortet werden.

Aufgrund biologischer Erwägungen wird er heute sicher tot sein.


Fritz Köhlitz
Ein Mann dieses Namens publizierte 1949 ein Buch über Schulen. Ich glaube eher nicht, dass er mit dem Unterzeichner identisch war.

In den 1920er und frühen 1930er Jahren war ein Fritz Köhlitz Herausgeber des Magazins "Der Atheist", 1927 umbenannt in "Der proletarische Atheist". Das wird wohl der Unterzeichner gewesen sein. Anscheinend war ein aktiver und überzeugter Kommunist - und somit in der NS Zeit in Gefahr. Wie bei Xaver Freiberger fand ich über Fritz Köhlitz keine Informationen aus der Zeit ab 1933. Das Manifest ist bei beiden das letzte Lebenszeichen.


Wilhelm Berker, Walter Szeman, Hans Pfaller
Zu den drei Männern konnte ich nichts finden, außer das Szeman wohl ein osteuropäischer Name ist. Sie hinterließen keinerlei Spuren im Netz oder der Literatur. Nach meinem Eindruck war Xaver Freiberger die zentrale Figur, auch Fritz Köhlitz war wichtig, und die anderen drei Männer hatten eher geringen Einfluss.

Dies schließe ich u.a. aus der Position der Unterschriften auf dem Dokument. Die Autoren des Manifestes konnten den Ort ihrer Unterschrift frei wählen und namen die Mitte. Am Rand findet man die Unterschriften derer, die später dazu kamen und denen es vielleicht gefiel, mit geringem Aufwand in die Ewigkeit einzugehen. Die mittigen Positionen der Unterschriften von Xaver Freiberger und Fritz Köhlitz deuten darauf hin, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes federführend waren.


Was wurde aus den Unterzeichnern?

Zu keinem der fünf Unterzeichner konnte ich irgendetwas zu seinem weiteren Lebenslauf nach 1933 in Erfahrung bringen. Das Manifest ist buchstäblich das letzte Lebenszeichen.



Anmerkungen

[1] Besonderer Dank an den User "Specki" vom Explorate Forum, der den roten Klartext zur Verfügung stellte.

[2] Unter Sondengängerfunden ist mir keine Parallele bekannt. Insgesamt gibt es meines Wissens nur einen ähnlichen Fund. Er wird im Museum des Völkerschlachtdenkmals von Leipzig aufbewahrt. Dieses wurde 1913 eingeweiht. Einige Jahrzehnte später entdeckte man bei Renovierungsarbeiten eine Flasche, die ein handgeschriebenes Schriftstück enthielt. Einige Arbeiter hatten es verfasst und, komplett mit Namen und Anschrift, unterzeichnet. Die "Flaschenpost" wurde in oder vor 1913 von Ihnen im Gebäude hinterlegt, sozusagen als ihre ganz persönliche Art der Grundsteinlegung. Sie beschrieben die sich sehr schnell verändernde Welt (Gesellschaftssysteme, abr auch technologische Entwicklungen wie das Flugzeug), in der sie lebten und fragten sich, wo dass noch hinführen soll. Angesichts der dramatischen Veränderungen nach 1913 haben sie damit Recht behalten.

[3] Genau deswegen wurde, und wird teilweise immer noch, die Archäologie von vielen Historikern lediglich als Hilfswissenschaft beim Studieren schriftlicher Quellen verstanden. Aus der subjektiven Sicht der Historiker ist diese Sichtweise zwar verständlich, dennoch teile ich sie nicht. Beide Quellen, Schriften und Funde/Befunde, haben ihre eigenen Stärken und Unzulänglichkeiten.

Zugestanden: Schriftquellen, wenn vorhanden, geben sehr detaillierte und informative Berichte, aber spiegeln nicht notwendigerweise die Wahrheit wieder. Sie sind letztlich menschliche Aussagen und als solche mit Fehlern behaftet. Wie man in der Rechtssprechung weiß, sind sie mit Vorsicht zu handhaben, d.h. objektiv oft falsch. Das gilt auch, wenn der Zeuge ehrlich bemüht ist die Wahrheit zu sagen, an die er sich erinnert. Noch viel stärker gilt dies, wenn ein Autor bewusst von der Wahrheit abweicht.

Die meisten Autoren in früheren Jahrhunderten waren nicht unabhängig. Sie wurden zumeist von dem Herrscher bezahlt über den sie berichteten, und zwar für PR Dienste, nicht für Wahrheitsliebe. Hinzu kommt, dass heute 30%-40% aller mittelalterliche Dokumente als Fälschungen gelten. Das hat verschiedene Gründe; nicht immer standen betrügerische Absichten dahinter.

Im Gegensatz dazu sind Bodenfunde bzw. Bodenfundverteilungen praktisch nie gefälscht. Viel zu viel Aufwand angesichts der geringen Chance, dass sie mal jemand finden würde. Hinzu kommt, dass sie für lange Perioden die überwiegende (sog. Frühgeschichte) oder alleinige Quelle (sog. Vorgeschichte) darstellen. Kurz: Bodenfunde lügen nicht.


[4] Um dem Leser eine bessere Einordnung der Funde zu gestatten folgt nun ein Exkurs über die politische Situation in Deutschland in den 1920er Jahren. Übrigens ist es eine bewährte Sondengängertechnik, sich vor der Suche gedanklich in die Zeit zu versetzen, aus der man Funde machen will. "Wo hätte ich gesiedelt?", "Wo hätte ich eine Verteidigungsstellung errichtet?" können sinnvolle Fragen sein.

Die 1920er Jahre waren eine politisch und gesellschaftlich sehr instabile Phase deutscher Geschichte. Das Ende des schrecklichen "Großen Krieges", der heute 1. Weltkrieg genannt wird, brachte das Ende von vier Reichen. Das russische Zarenreich, das habsburger Kaiserreich Österreich-Ungarns, das deutsche Kaiserreich und das ottomansiche Reich, sie alle brachen zuammen. Jahrhindertealte geselölschaftliche Strukturen wurden zerschmettert, neue Formen der Herrschaft mussten gefunden werden.

Im 1. Weltkrieg erlitt Deutschland noch schrecklichere Verluste an Menschenleben als die anderen beteiligten Nationen ("Kadavergehorsam"). Sie viele Männer gingen verloren, dass die Gesellschaft an den rande der Instabilität gebracht wurde. Nachdem der Kaiser - ohne sein Einverständnis - "zurückgetreten" war wurde eine Demokratie ins Leben gerufen, die gut gemeint war, auch viele theoretisch gute Konzepte in ihrer Verfassung hatte, sich aber in einer extrem schwierigen Umgebung behaupten musste. Viele Menschen glaubten immer noch an den Kaiser und das Kaiserreich, das sie mit Jahrzehnten des Wohlstandes bis 1914 in Verbindung brachten.

Zusätzlich zum politischen Chaos und immenser Kriegsverluste musste Deutschland umfangreiche Kriegsreparationen an die Siegermächte, insbesondere Frankreich, leisten. Dies trug zu einer alle Werte verzehrenden Inflation bei, in der viele Menschen ihre Ersparnisse verloren.

Die Bedingungen des Versailler Vertrages, insbesondere die dort festgeschriebene, sachlich unzutreffende, alleinige Kriegsschuld Deutschlands wurde von vielen Deutschen als ungerecht empfunden. Die deutsche Armee wurde als im Felde unbesiegt, wenn auch bis zur Handlungsunfähigkeit erschöpft, angesehen. Dieses Gefühl der ungerechten Behandlung war ein Wegbereiter Hitlers und damit des 2. Weltkrieges. Wie die Deutschen es überhaupt zulassen konnte, dass jemand wie Hitler diktatorische Machtbefugnisse über den mächtigsten Staat Europas erlangen konnte, gehört zu den interessantesten Fragen der jüngeren deutschen Geschichte. Auch dies wurde nur aufgrund der extrem schwierigen politischen und wirtschaftliche Umstände möglich.

In den 1920er Jahren gab es sehr viele politische Parteien, Dutzende. Folglich blockierte sich das Parlament oft wegen relativ unwichtiger Fragen selber und wurde nahezu handlungsunfähig. Diese historische Erfahrung führte zu der Einführung der 5% Hürde in Deutschland. Andere Länder wie Italien kennen sie nicht und haben noch heute chronisch instabile Regierungen.

Von den vielen Parteien der 1920er Jahre sind für diese Geschichte neben Hitlers NSDAP nur die SPD und die KPD wichtig. Beide hatten die gleichen historischen Wurzeln, d.h. waren einst eine Partei. Innerhalb dieser Partei gab es unterschieldiche Auffassungen wie agressiv man seine Ziele verfolgen sollte. Die "Falken" trennten sich ab und wurden zur KPD, die "Tauben" wurden zur SPD. Die gibt es bekanntlich immer noch, während die KPD verboten wurde.

In westlichen Ländern verbindet man heute die kommunistische Idee mit wirtschaftlichen und politischen Elend, aber in den 1920er Jahren erschien sie vielen so sehr einen Versuch wert wie andere politische Strömungen.

Hitler war gegen SPD und, insbesondere, KPD sehr negativ eingestellt und lies politische Gegner verfolgen. Dies wird der Hintergrund für diesen Fund sein.


[5] Ein Arbeitsrat war eine Form der Organisation von Arbeitern. Im weitesten Sinne ein Vorläufer der heutigen Gewerkschaften.


[6] Grundsätzlich klappt die Zusamenarbeit mit Fachleuten anderer Sparten ganz hervorragend. Die einzige Ausnahme sind die Archäologen, die offenbar befürchten, durch fachliche Stellungnahmen einen "Schatzjäger", ihr Feindbild schlechthin, zu unterstützen. Nicht zuletzt deswegen neigen Sondengänger dazu, sich selber archäologisch auszubilden.

(C) Thorsten Straub, www.sondengaenger-deutschland.de