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Archäologische Funde von Sondengängern mit Metalldetektor in Deutschland seit 1987

In der nachfolgenden Tabelle und im Rest der Website werden erfolgreiche Sucher namentlich genannt, es sei denn, dass der Betreffende es nicht wünscht. Das geschieht aus Respekt vor ihrer Fundleistung. In den üblichen Medienartikeln kann man nur die Namen von Archäologen lesen, aber nicht die derjenigen, die die eigentliche Arbeit getan haben. Eine Himmelscheibe zu untersuchen ist viel einfacher, als eine zu finden.

Funde von Sondengängern mit Metalldetektoren

Ort   Jahr  Fund 
Schatz der Wettiner bei Schloß Moritzburg in Sachsen  1996  In einem Wald bei Schloß Moritzburg findet der Sondengänger Hanno Marschner den 1945 vergrabenen Schatz des Adelsgeschlechtes der Wettiner. Rechtlich gesehen kein Schatz, sondern eine verlorene Sache, da Eigentümer bekannt. Dem Vernehmen nach erhielt der Finder vom Eigentümer einen Finderlohn, der erheblich unter den im BGB festgelegten 3% des Wertes lag. 
Kalkriese bei Osnabrück  Ab 1987  Der britische Sondengänger Tony Clunn lokalisiert das Schlachtfeld der Varusschlacht durch zahlreiche römische Münz- und Schleuderbleifunde. Das beendet weitgehend ein über 100 Jahre dauerndes Rätselraten in Fachkreisen, in dessen Verlauf mehrere hundert Orte vorgeschlagen worden waren. Amtliche Ausgrabungen und ein neu errichtetes Museum waren die Folge. Herr Clunn kooperierte eng mit dem Amtsarchäologen Herrn Schlüter und betont in seinem Buch [1] die Fairness dieser Zusammenarbeit. Gleichwohl habe ich in der Fachliteratur die Aussage gelesen, dass Herr Schlüter der Entdecker Kalkrieses sei. Generell gibt es in der Amtsarchäologie die Tendenz, Leistungen von Privatforschern mit Metallsonden offiziell nicht anzuerkennen, sich inoffiziell aber gerne von ihnen informieren zu lassen. 
Oberammergau  1991  Ein einheimischer Herrgottsschnitzer und Sondengänger E. Bierling findet auf einem Berg bei Oberammergau zahlreiche römische Pfeilspitzen. Ein Absuchen des Berges durch die Denkmalschutzbehörden mit Metallsonden ergab ca. 300 Funde. Dieses Fundspektrum gilt als das einzige bisher bekannte archäologische Zeugnis des römischen Einmarsches in das heutige Bayern durch Tiberius und Drusus im Jahre 15 vor Chr..[2]  
Nebra, Sachsen-Anhalt  1999  Die zwei Sondengänger Henry Westphal und Mario Renner finden bei Nebra in Sachsen-Anhalt die sog. Himmelscheibe, eine runde Bronzescheibe mit der ältesten weltweit bekannten Darstellung eines konkreten Sternenhimmels. Dieser als "Jahrtausendfund" bezeichnete Gegenstand schaffte es auf mehr Titelseiten und erregte mehr öffentliche Aufmerksamkeit als alle bisher gemachten Funde der Amtsarchäologie. Nach meiner persönlichen Meinung stellt er die größte Fundleistung dar, die jemals von Einzelpersonen in Deutschland erbracht wurde.Für die örtliche Amtsarchäologie regnete es Vorteile, alleine die Namens- und Bildrechte waren so wertvoll, dass sich Prozesse lohnten. Die Finder hätten bei Meldung mit der ersatzlosen Konfiszierung rechnen müssen und verkauften den Fund zusammen mit Beifunden wie Schwertern noch am Fundtag unter der Hand für die relativ sehr geringe Summe von 31.000 DM. Der Fund wechselte mehrfach den Besitzer und die Sache flog in 2002 auf. Die Finder wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt. Der Wert der Himmelsscheibe wird heute auf mehrere Millionen Euro geschätzt. [3] Die Finder erhielten nichts. 
Bei Passau, Bayern   2003  Der Hobbyarchäologe Michael Zimmermann fand überaus seltene Teile einer Ritterrüstung, einen sog. Plattenrock, 2003 auf dem Gelände des Burgstalls Hirschstein bei Passau. Siehe Artikel "Fund einer Ritterrüstung". 
Wiershausen, Gemeinde Kalefeld, Südniedersachsen  Erste Funde 2000, Meldung an die Landesarchäologie 2008  Die Sondengänger Rolf Peter Dix und Winfried Schütte machten im Jahr 2000 römische Funde (z.B. Speerspitzen) während sie nach einer mittelalterlichen Burg suchten. Die Funde konnten sie jedoch zunächst nicht zeitlich einordnen. Erst 2008 wurde ein gefundenes römisches Hufeisen als solches erkannt und die Behörden informiert, die das Fundareal daraufhin - nach der üblichen ersten großen Skepsis - mit einem Aufwand von 600.000 Euro [4] absuchten. Mitte Dezember 2008 wurden die vorläufigen Untersuchungsergebnisse veröffentlicht. Danach wurde ein 600 m x 1500 m großes ehemaliges Schlachtfeld gefunden, dass durch Münzfunde auf das ausgehenden 2. Jhd. n.Chr. datiert werden konnte. Bislang war man davon ausgegangen, dass die Varusschlacht 9 n.Chr., deren Ort ebenfalls von einem Sondengänger entdeckt wurde, die letzte große römische Schlacht auf deutschem Boden war. Ein so spätes und dazu noch so weit nördlich gelegenes Schlachtfeld ist eine archäologische Sensation. Mit bislang 600 Fundstücken, insbesondere Waffen, ist das Fundaufkommen für ein Schlachtfeld, das normalerweise unmittelbar nach der Schlacht vom Sieger geplündert wurde, ungewöhnlich reich. Der Grund dafür ist noch unklar. Nach den ersten offiziellen Erklärungen gewannen die Römer, die zahlreichen Funde sprechen allerdings für das Gegenteil. Hier wird man die weiteren Untersuchungen abwarten müssen.  
Nähe Rülzheim, Rheinland-Pfalz   Gemacht wurde der Fund im Mai 2013, gemeldet im Dezember 2013.   Der Sondengänger Benjamin Czerny findet den sogenannten "Barbarenschatz", einen der größten spätrömischen Horte, die jemals in Deutschland gefunden wurden. Der Hort umfasst gut 100 Objekte aus Gold und Silber. Der finanzielle Wert wird auf 500.000 bis 1 Mio. Euro geschätzt. [5] Der Finder wurde wegen Fundunterschlagung (d.h. Unterlassung der rechtzeitigen Meldung des Fundes an den rechtmäßigen Eigentümer, hier das Bundesland) zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, die derzeit (Stand Mai 2015) nicht rechtskräftig ist. Berufung wurde eingelegt.  

[1] Tony Clunn, Auf der Suche nach den verlorenen Legionen, 1998

[2] http://www.archaeologie-krefeld.de/Bilder/news/Sondengaenger/vortragludwig.pdf

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Himmelsscheibe_von_Nebra

[4] http://www.welt.de/kultur/article2881449/Hier-metzelten-Roemer-die-Germanen-nieder.html

[5] http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/justiz/id_73049936/-barbarenschatz-finder-verurteilt.html (abgerufen Mai 2015)
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/barbarenschatz-bewaehrung-wegen-unterschlagung-13450262.html (abgerufen Mai 2015)
TV Doku "30 Minuten Deutschland - Richterin Julia Scherf", az media tv.







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