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Museen und Sondengänger

Von allen amtsarchäologischen Institutionen sind Museen den Privatsuchern gegenüber am positivsten eingestellt. Museen brauchen Funde, keine Befunde. Und die tollsten Funde kommen entweder direkt von Suchern oder sonstwie aus Privatbesitz. Dabei müssen Museen den Spagat versuchen, sich einerseits interessante Funde zu sichern, andererseits andere amtsarchäologische Institutionen nicht allzu sehr zu verärgern.

Von großer Bedeutung sind Museen aufgrund ihrer Vermittlerfunktion zwischen Sondengängern und Denkmalschutzbehörden. Die deutsche Archäologie wäre viel weiter, wenn Museen und nicht Denkmalschutzbehörden Suchgenehmigungen ausstellen dürften. In Ländern wie Luxemburg ist das so.

Wenn ein Sondengänger eine wichtige Entdeckung macht, sie wegen möglicher Befundstörungen nicht selber ausgräbt und statt dessen den Denkmalschutzbehörden meldet, so reagieren diese paradoxer- und üblicherweise damit, dass sie den Fund nicht selber ausgraben wollen, es dem Finder und allen anderen Privatpersonen aber verbieten. Dazu wird die Entdeckung einfach zum Bodendenkmal erklärt. Selbst ein so kooperatives Verhalten eines Sondengängers wird nicht als Anlass gesehen, mit ihm Kompromisse einzugehen.

Diese Pattsituation kann durch das Museum gelöst werden, indem seine Mitarbeiter die Bergung durchführen. Für den Sucher bedeutet das, dass er sein hälftiges Fundeigentum (in Bundesländern ohne Schatzregal) an das Museum verkauft. Konkrete Beispiele werden im folgenden Absatz über die Archäologische Staatssammlung genannt.

Die Interessenlage von Sammlern oder Antiquitäten- oder Münzhändlern ähnelt der der Museen. Hier sei noch angemerkt, dass in der Vergangenheit archäologische Institutionen es durchaus erfuhren, wenn auf dem lokalen Markt z.B. ungewöhnliche Menge seltener Münzen, z.B. Regenbogenschüsselchen, auftauchten. Insbesondere zwischen Museen und Händlern gibt es natürlich gute Kontakte.


Archäologische Staatssammlung

Trotz der oben erwähnten gemeinsamen Interessen von Museen und Sondengängern wurde in der Presse mehrfach über Expertisen des bedeutendsten bayerischen archäologischen Museums, der Archäologische Staatssammlung in München, berichtet, die dazu angetan waren, den jeweiligen Finder leer ausgehen zu lassen (statt der 50% nach §984 BGB). So beim Goldkesselfund in Chiemsee oder beim Schatzfund im Raitenbucher Forst. In beiden Fällen mussten die Finder juristisch um ihren Fundanteil kämpfen, was ihnen letztlich auch gelang. (Siehe Artikel "Sondengänger als Interessengruppe", dortige Anmerkung [2]. )

Andererseits hat sich das Museum sehr positiv in der oben beschriebenen Funktion als Brückenbauer zwischen Sondengängern und Denkmalschutzbehörden hervorgetan. Konkrete Beispiele dafür sind in den Artikeln "Bronzezeitlicher Hortfund von Kirchseeon" und "Von Brandbomben und Römerstraßen. Ein Meldeexperiment." beschrieben. Ich möchte hervorheben, dass in meinen persönlichen Kontakten mit dem Museum NIE mein 50% Eigentumsanspruch angezweifelt oder Funde unter Wert taxiert wurden. Meine persönlichen Erfahrungen mit dem Museum sind zusammengefasst positiv, in Einzelbereichen sogar sehr positiv. Sondengängern kann die Kontaktaufnahme empfohlen werden, falls sie ihren 50% Eigentumsanteil von in Bayern gefundenen Objekten, die den Denkmalschutzbehörden gemeldet wurden, verkaufen wollen.

Meine Funde hatten einen viel niedrigeren finanziellen Wert als der Goldkessel oder der Fund aus dem Raitenbucher Forst. Um die eingangs erwähnten Vorgänge um diese Funde besser bewerten zu können, müsste man auch das Museum dazu hören.

Die Museumsmitarbeiter waren immer freundlich und gaben kompetent Auskunft zu Funden, die man ihnen ins Haus bringt. Der ehemalige Leiter, Herr Prof. Dr. Wamser, zeigte eine persönliche Begeisterung für archäologische Entdeckungen, die ich bis dahin nur von Sondengängern, aber nicht von Vertretern staatlicher archäologischer Stellen kannte. Auch seinen Nachfolger, Herrn Prof. Dr. Gebhard, der am 1.1.2010 die Führung übernahm, habe ich als einen fairen Geprächspartner kennengelernt, der bereit ist, auf die Interessen des Sondengängers einzugehen. Wer bislang nur mit Denkmalschützern zu tun hatte, wird den Kontakt mit dem Museum als positive Abwechslung empfinden.

Regenbogenschüsselchen Keltische Goldmünzen, Münzschatz von Sontheim. Ca. 2000 Jahre alt, von einem Privatmann gefunden. Über 350 Münzen, Gesamtgewicht 2.7 kg. Wert pro Münze ca. 2500 Euro. Archäologische Staatssammlung, München.

Nachtrag 5.3.14

Absatz zur Archäologischen Staatssammlung erweitert und aktualisiert.

Nachtrag 28.9.10

Absatz zur Archäologischen Staatssammlung erweitert und aktualisiert.

Nachtrag 20.1.09

Wenn Sie ein Museumsmitarbeiter oder Sammler sind, so sind Sucher optimale Partner für Sie. Wenn Sie mit ihnen verhandeln wollen, beachten Sie unbedingt auch das Kapitel "Gebrauchsanweisung für Schatzsucher" im Artikel "Schatzsucher".

(C) Thorsten Straub, www.sondengaenger-deutschland.de