Schatzsucher Literatur Nugget

Sondengänger und Internetszene

Sondengänger frönen einem Minderheitenhobby. Im Bekanntenkreis ist es da meist schwierig, Gleichgesinnte zu finden. Hier bietet das Internet mit seinen Foren eine gute Möglichkeit von anderen Suchern zu hören.

In Internetforen sind Spitznamen, sogenannte Nicknames, üblich, keine Realnamen. Viele Besucher schätzen auch die damit einhergehende Anonymität. Dies respektiere ich und werde nur Nicknames nennen, selbst wenn die Personen ihre Realnamen selber, z.B. in Form eines Impressums, publiziert haben oder ihn derart häufig in Forumsbeiträgen nannten, dass davon auszugehen ist, dass sie auf Anonymität keinen Wert legen.

Ein Forum, falls hier Archäologen mitlesen, ist ein Bündel von Internetseiten, die man sich mit seinem PC ansehen kann, wenn man online ist, und auf denen jeder Benutzer („user“) Kommentare abgeben, Bilder zeigen, und sich das durchlesen kann, was andere schreiben.

Sondengänger zeigen also Funde und bitten um Bestimmung und Datierung. Oder jemand stellt eine Frage und hofft auf Antworten. Für Neulinge sind Internetforen wunderbare Einrichtungen. Stunde um Stunde liest man sich zahlreiche Beiträge durch und schaut sich Beiträge an. Am Anfang ist alles neu und interessant. Je länger man dabei ist, desto mehr lässt der Reiz nach, desto mehr hat man das Gefühl, dass immer die gleichen Funde gezeigt werden, und dass man von den anderen Usern auf dem eigenen Gebiet nichts mehr lernen kann.

Ein Forum ist aber nicht nur ein Ort, um Informationen zu gewinnen. Es ist auch ein Ort der Gemeinschaft. Mit Leuten, die man nur aus ihren Textbeiträgen kennt, die man sich kaum vorstellen kann, fühlt man sich nach einiger Zeit verbunden und wenn so jemand eine Frage hat, die man beantworten kann, dann tut man das auch. Auch wenn das Aufwand bedeutet, weil man erst in der Fachliteratur nachschlagen oder Bilder scannen muss. Die Leidenschaft für das gemeinsame Hobby verbindet.

Die deutschen Foren spiegeln die sehr heterogene Gruppe der Sondengänger recht gut wieder, geben jedoch auch kein völlig repräsentatives Bild, da z.B. besonders hochwertige Funde oder Funde aus bestimmten Bundesländern dort nicht gezeigt werden. Der unterschiedliche Bildungsgrad wird ebenso deutlich wie die Begeisterung für materiell und geschichtlich völlig irrelevante Funde. Sie zeigen allerdings auch, dass der wissenschaftliche Gedanke der Detektorprospektion, des Erstellen und Interpretierens von Fundkarten, bei kaum einem Sondengänger eine Rolle spielt. Die Anfragen zielen auf Bestimmung und Datierung der Objekte, praktisch nie auf die Interpretation von Fundverteilungen.



In memoriam Heimdall
Will man über die deutsche Sondengänger Internetszene berichten, so muss man mit einem Forum beginnen, das gar nicht mehr existiert. Dieses Forum war über Jahre geradezu der Inbegriff der Internetszene, so groß war seine Bedeutung. Es wurde vom Betreiber Anfang 2005 geschlossen und hinterließ eine Lücke, die bis heute nicht gefüllt werden konnte. Die Rede ist von „Heimdalls Hallen“, oder kurz von Heimdall.

Es existierte bereits, als ich im Jahr 2000 zu dem Hobby fand. Wie lange schon vorher, weiß ich nicht. Als es Anfang 2001 auf einen neuen Server umzog, gehörte ich zu den ersten 30, die sich registrierten. Für viele Sucher war Heimdall damals integraler, täglicher Bestandteil des Suchalltags. Viele haben dort auch sehr viel mehr gelesen und geschrieben als selber mit dem Detektor gesucht, aber auch bei den tatsächlichen Suchern war es selbstverständlich, am Abend noch mal bei Heimdall reinzuschauen um zu sehen, was andere an jenem Tag gefunden hatten oder ob vielleicht jemand diese „komische“, halbzerfallene Münze, die man selber gezeigt hatte, bestimmen konnte. Oft war die Überraschung groß, wenn sich die vermeintliche Römermünze als Stück des 19. Jhd., das „komische Beil“ jedoch als ein 2500 Jahre altes keltisches Tüllenbeil erwies.

Mit der Zeit erwarb man so Wissen, und irgendwann kam ein Neuling, der weniger wusste als man selber und dem man seinerseits helfen konnte.

Es gab und gibt andere Foren, die sich teilweise oder zur Gänze mit der Sondengeherei beschäftigen, aber nur wenige und von deutlich geringerer Szenebedeutung als Heimdall. Heimdall war für Sondengänger die Institution im deutschsprachigen Internet. Die meisten besonders hochkarätigen Funde sah man bei Heimdall. Ein frisch gefundenes, noch scharfes Schwert, noch im Wald fotografiert. Ein römischer Silbermünzenhort. Bronzezeitliche Artefakte. Frühneuzeitliches Rohsilber mit Punzen. Keltische Münzen. In keinem anderen deutschsprachigen Forum wurden auch nur annähernd so viele interessante Funde gezeigt.

Es gibt im englischen Sprachraum Sondengängerforen, insbesondere in USA. Besuchte man diese Foren ebenfalls, so bemerkte man schnell kulturelle Unterschiede.

In Deutschen Foren sind die Leute fachlich besser, hier dominiert das Fachwissen. Im Laufe der Jahre kristallisierten sich Fachleute heraus, die über lange Zeiträume mit qualitativ hochwertigen Beiträgen von sich reden machen. Geradezu legendär z.B. ist User Gratian, dessen Beiträge zum Thema Religiöse Anhänger regelmäßig Referenzcharakter hatten und haben. Man konnte sie ausdrucken und als Expertise mit in die Vitrine legen. Auch auf anderen Gebieten gab und gibt es langjährige Experten, so wie C4 (Chemie, insbesondere Metallrestauration), masterTHief (Recht), Khamsin (Steinzeit) oder jlandgr für die so überaus wichtige, wenngleich in Sondengängerkreisen oft stiefmüttlerlich behandelte Archivarbeit.

Im englischen Sprachraum legt man hingegen deutlich mehr wert auf Umgangsformen. Fachlich ist man dort vergleichsweise oberflächlich, obwohl es auch dort natürlich Experten gibt, aber eben sehr nett. Kurz, der Aspekt der Information hat in Deutschland Priorität, der Gedanke der Gemeinschaft im englischen Sprachraum. Unterschwellig konnte man das zu jedem Zeitpunkt beobachten, der dramatische Negativhöhepunkt, der weder davor noch danach je wieder in irgendeinem Sondengängerforum weltweit beobachtet werden konnte, kam 2002 bei Heimdall. Ein Sammler schmiedeeiserner Waffen begann im Forum aufzutreten, der allem Anschein nach an einer psychischen Erkrankung litt und sich wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen aufführte. In jedem englischsprachigen Forum, und wohl auch den meisten deutschen, hat so jemand nach 24 h die erste Verwarnung und nach 72h ist er draußen. Auch Neuanmeldung nützt wenig, weil danach jeder, der solche Verhaltensweisen zeigt, in kürzester Zeit mitsamt seiner Beiträge entfernt wird.

Heimdall jedoch – und das ist das eigentlich Interessante – tat gar nichts, sondern ließ einfach zu, dass das Forum immer wieder in einen Kriegsschauplatz verwandelt wurde. Tatsächlich wurde dieser Einzelperson nicht weniger gestattet als das ganze Forum abzuwerten. Die Moderatoren reagierten eher hilflos mit dem Sperren des ganzen Threads, anstatt die Beiträge des Verursachers zu entfernen. Nach einigen Monaten wurde der Sammler schließlich doch entfernt, meldete sich sofort unter einem anderen Namen neu an, und wurde wieder Monate geduldet. Das Spiel wiederholte sich mehrfach. Schon sehr bald konnte man das Forum Bekannten nicht mehr empfehlen.
Anfang 2003 war der Spuk dann vorbei. Forumsuser können einander so genannte private Nachrichten schicken, die für die anderen Benutzer unsichtbar sind. Jemand hatte den Inhalt einer der nur widerlich zu nennenden privaten Mitteilungen des Sammlers – von denen die Forumsleitung längst wusste - publik gemacht, was eigentlich verpönt ist, hier jedoch dem Forum zugute kam: die Person blieb fortan weg.

Meiner Meinung nach hat Heimdall in allen diesen Jahren nur zwei Fehler von langfristiger, rufschädigender Bedeutung begangen. Das eine war der allzu tolerante, ja gleichgültige Umgang mit dem oben genannten Sammler, das andere die positive Erwähnung eines exotischen, neuen Detektors, der in der Türkei gefertigt und von einem deutschen Händler vertrieben wurde. Kaum jemand von den vielen Käufern wurde glücklich mit dem Gerät, das so hochgezüchtet war, dass es an der Stabilitätsgrenze betrieben wurde. Dabei hat Heimdall wohl seinen Einfluss auf die Szene unterschätzt. Von jemanden wie ihm kommend galt eine positive Erwähnung eines Detektors vielen Sondengängern als äußerst relevante Empfehlung.

Das Betreiben eines solchen Forums ist eine anstrengende und nervenaufreibende Sache, die dem Betreiber wenig gedankt wird und zudem auch Führungsqualitäten verlangt. Streitereien unter Forumsmitgliedern sind an der Tagesordnung und die unterschiedlichen Foren sowie Sondengängervereinigungen sind oft geradezu verfeindet. Viele Forumsbetreiber geben daher irgendwann auf, und auch der Betreiber von Heimdalls Hallen, Heimdall mit Nicknamen, hatte offenbar immer weniger Lust dazu. Vermutlich ist nur so die o.g. Episode mit dem Waffensammler zu erklären.

Den Interesseverlust bekam man nach außen hin gar nicht so mit, aber es zeigte sich über einen längeren Zeitraum immer mal wieder, wenn das Gerücht aufkam, Heimdall würde schließen. Unter den Usern brach dann regelmäßig Panik aus. Heimdall war der Lebensinhalt, der kann doch nicht einfach schließen?! Leute, die sich mit anderen eben noch wilde Wortgefechte im Forum geliefert hatten, wurden schlagartig die besten Freunde, Heimdall selber wurde hofiert, und natürlich spendete man Geld als Unkostenbeitrag für die Betriebskosten. Es galt, die virtuelle Heimat zu retten. Und mehrmals gelang es auch. Aber Anfang 2005 war endgültig Schluss und Heimdall machte das Forum ohne Vorankündigung dicht. Er selber äußerte sich nicht dazu, wenn man von einer kurzen Mitteilung absieht, die erst einige Tage später erschien. Neben Interesseverlust war vor auch von zunehmender Kritik durch archäologische Kreise die Rede. Für die Userschaft war das sehr demoralisierend. Später sagte er in einem Forumsbeitrag, auch die Sorge um User, die allzu sorglos Funde zeigten, hätte ihn dazu bewogen, weil das Klima zwischen Sondengängern und Denkmalschützern rauher wurde.

Die Szene war in Trauer, anders kann es kaum formulieren, und blieb sozusagen bis heute verwitwet. Zwar entstand ein neues Forum mit neuen Betreibern unter dem alten Domänennamen, bestehende Foren übernahmen einige der nun heimatlosen Ex-Heimdallbesucher, aber für diejenige "Sondengängergeneration", die Heimdall kennengelernt hatte, wurde es nie mehr wie es mal war. Dies zeigte, welche enorme Bedeutung Heimdalls Hallen bis zuletzt hatten und wie groß der Zusammenhalt immer noch war. Soviel zu der Vergangenheit, die, wie so oft in der Archäologie, allemal imposanter ist als die Gegenwart.



Heute gibt es folgende deutsche Foren, in denen es hauptsächlich um Sondengänger und ihre Funde geht.

Eines ist das Bodenfundforum (BFF), erreichbar unter http://www.bodenfundforum.net

Die Betreiber dieses Forums übernahmen die Internetadresse (Domain) von Heimdall. Am Anfang bestand die Userschaft hauptsächlich aus Anfängern und den bekanntesten Schaumschlägern der Szene. Z.B. derjenige, der eine immense Menge von Beiträgen verfasste, die jedoch fast nie aus seiner Feder stammten, sondern irgendwo im Netz geklaut worden waren. Natürlich ohne sie als Zitate zu kennzeichnen, von einer Quellenangabe ganz zu schweigen. Wenn er mal eigene Beiträge schreibt, so umfassen sie selten mehr als zwei Zeilen und ein paar Smilies.
Oder diejenigen, die sich in nebulösen Andeutungen zu prinzipiell durchaus interessanten Themen (Templer, selbst gebaute Ortungsgeräte, NS Verbergungen) ergingen, wohl auch über einige Kenntnisse verfügen, aber auch auf Nachfrage nichts von Substanz brachten. Oder deren Beiträge zu 80% aus Gejammer über die böse Welt bestanden usw. usf. . Diese Leute gibt es im BFF immer noch, aber inzwischen findet man mehr und mehr gute Beiträge und Beitragsschreiber von Format. Und einige interessante Exoten [4]. Das BFF konnte sich seit der Anfangszeit sehr steigern.





Das zweite und seit Heimdalls Schließung lange Zeit eindeutig beste deutsche Forum ist das Sucherforum http://www.sucherforum.de/smf/index.php

Das Forum gab es schon vor Heimdalls Ende und galt stets als klein, aber fein. Heute (2007) hat man hier von allen deutschen Sondengängerforen noch die besten Aussichten, informative Antworten zu Fundfragen zu erhalten, wenn der Qualitätsvorsprung zum BFF auch längst nicht mehr so groß ist wie vor einigen Jahren .
Der in den letzten Jahren aufgekommene Wille zur unbedingten political correctness – die offensichtliche Absicht nur ja nicht bei den Denkmalschutzbehörden anzuecken - ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, zumal sie über die sicher angebrachte Diplomatie weit hinausgeht. Einige Funktionäre (Admin, Moderatoren) von sucherforum.de spielen auch bei der Interessenvertretung deutscher Sondengänger DIGS eine wichtige Rolle und so kann man auf beiden Websites von Positionen lesen, die genauso gut von einem Hardliner unter den Amtsarchäologen hätten stammen können. Mehr zu diesem eigentümlichen Phänomen unter „Sondengängerorganisationen“. Wer solche eher „suchpolitischen“ Themen ignoriert und sich auf Funddiskussionen beschränkt, kann sich jedoch mit Gewinn an diesem Forum beteiligen und sich an teilweise hochwertigen Fachbeiträgen erfreuen.


Update 21.9.11
Mittlerweile zählt auch das neu hinzugekommene Detektorforum (http://www.detektorforum.de/smf/index.php) zu den etablierten Sondengängerforen.
Ende des Updates

Neben diesen reinrassigen Sondengängerforen gibt es noch mehrere Foren, bei denen es zwar am Rande auch um Sondengeherei geht, theoretische Inhalte sowie das Erkunden unterirdischer Strukturen wie Bunker oder ehemalige Bergwerke jedoch überwiegen. Beispiele dafür sind www.schatzsucher.de sowie www.explorate.de , neuerdings auch erreichbar unter www.zeit-geschichte.de/
Beide Foren haben eine lange Tradition. Explorate wird von User Harry (Realname dem Verfasser bekannt) betrieben, der zunächst mit schatzsucher.de verbunden war und danach seine eigene Wegpräsenz eröffnete. Harry trat stets kämpferisch für die Rechte der Sondengänger ein. Etwas mehr von diesem Kampfgeist würde DIGS gut tun.


Dann gibt es noch Foren, die aus der Sicht des Sondengängers ganz am Rande seines Interessenkreises liegen, wie www.archaeologie-online.de oder www.tempus-vivit.de

Die Website Archäologie Online www.archaeologie-online.de hat gute Inhalte, das dazugehörige Forum ist jedoch weniger informativ. Die einzigen archäologiebezogenen Fragen, auf die man dort sachliche und informative Antworten erhält, sind die nach dem Archäologiestudium.

In Bezug auf Sondengänger macht das Stammpublikum in den beiden Foren einen eher ahnungslosen und aufgehetzten Eindruck. Sobald man dort sagt, dass man etwas mit der Sonde gefunden hat, interessiert sich kein Mensch mehr für das Objekt oder die Fachfragen, sondern alle wollen nur noch das sprichwörtliche „Haar in der Suppe“ finden. Illegal ist das Lieblingsadjektiv, wenn es um Sondengänger geht. Tatsächlich wird es so häufig benutzt, dass man sich fragt, ob es noch andere gibt. Hier sei noch mal in Erinnerung gerufen, dass selbst die ungenehmigte Suche i.d.R. allenfalls eine Ordnungswidrigkeit ist, und eben auch dann nur, wenn eine Genehmigung überhaupt nötig war. Zwar sind auch Ordnungswidrigkeiten Rechtsnormen und der Verstoß gegen sie also illegal, aber es redet auch keiner von einem „illegalen Autofahrer“, nur weil er seinen Wagen im Parkverbot abstellt. Hier spielt offenbar die Freude an der Kriminalisierung der Sondengänger eine ganz wesentliche Rolle.

Die Behandlung von Sondengängern ist bei Tempus Vivit nicht viel anders, allerdings gibt es dort ausgesprochene Fachleute für exotische Spezialgebiete, wie z.B. das Schmieden, die aus Sondengängersicht in extrem seltenen Fällen interessant sein können. Bei Tempus Vivit finden sich vor allem Rollenspieler und Leute, die an Reenactment (möglichst authentisches Nachstellen historischer Szenen in zeitgenössischen Kleidern) Freude haben. Aus Sondengängersicht sind das reine Theoretiker. Auf Außenstehende wirkt das Forum häufig wie ein Kindergarten, aber das wird bei den Sondengängerforen auch nicht immer anders sein.

Ein oder zwei Mal habe ich bei archaeologie-online oder tempus vivit Funde präsentiert, war von den Antworten aber absolut nicht beeindruckt und beließ es bei dem Versuch.

Ein Grundreiz der Suche mit dem Metalldetektor liegt, wie in der gesamten Archäologie, darin, dass man durch gefundene Sachindizien Rückschlüsse auf Vergangenes ziehen kann. Als Werkzeug des Erkenntnisgewinns kann der Metalldetektor prinzipiell auch zum Lösen der großen, klassischen Geschichtsrätsel eingesetzt werden, wie z.B. die großen Schatzmythen. Als Beispiele seien hier die Schatzgeschichten von Oak Island, Cocos Island, Rennes-Les-Chateau (RLC) oder auch die Bundeslade genannt. Zu solchen Spezialthemen gibt es z.T. eigene Foren, genau wie es eine darauf spezialisierte Autorenschaft gibt.

Leider zeigen Prüfungen – und man muss schon aufgeschlossen sein, um die dafür notwendige Zeit zu investieren - immer wieder, dass sich auf diesen Gebieten vor allem Spinner tummeln, sowohl bei den Buch- als auch bei den Forumsautoren. Viele Visionen, wenig Kenntnisse, die geeignet wären, einen tatsächlichen Fund zu machen und somit das Rätsel zu lösen. Natürlich liegt im Interesse der Buchautoren weniger der Fund als mehr der Buchverkauf, und zwar auch noch in den kommenden Jahrzehnten. Dies alles ist insofern schade, als dass diese Geschichtsrätsel per se durchaus interessant sind und nicht samt und sonders als Humbug abgetan werden sollten, obwohl das auf die meisten solcher Mythen nach dem aktuellen Kenntnisstand [3] zutrifft. Die hohe Spinnerquote unter den Menschen, die sich zu diesen Themen äußern, trägt dazu bei, dass sich seriöse Forscher damit gar nicht mehr auseinandersetzen um ihre berufliche Reputation nicht zu gefährden. Dies wiederum verhindert Erkenntnisfortschritte weitgehend.



Im englischsprachigen Ausland, insbesondere USA, gibt es mehrere reinrassige Sondengängerforen wie

http://forum.treasurenet.com/

oder

http://www.thetreasuredepot.com/

mit vielen Unterkategorien. Der Umgangston ist dort ausgesprochen freundlich, viel freundlicher als im deutschen Sprachraum, und nach Haaren in der Suppe sucht da niemand. In der Kultur der USA ist das Handeln vorrangig, nicht das Vortragen von Gründen für das Nichthandeln wie in Deutschland.
Auch spielt der soziale und emotionale Faktor eine ungleich größere Rolle. Die Bereitschaft nett zueinander zu sein ist in den US Foren viel stärker ausgeprägt als in Deutschland. Wenn jemand dort den ganzen Tag gesucht und z.B. nur eine Münze aus 1957 gefunden hat, die er im Forum zeigt, so ist man in den USA der Meinung, dass man das anerkennend kommentieren sollte, und wenn es nur ein Einzeiler wie „Toll! Weiter so!“ oder „Danke für das Teilen!“ ist. Wenn der Fund, gemessen am allgemeinen Standard, auch unbedeutend ist, so wird er für den Finder, vielleicht ein Anfänger, doch etwas Bedeutendes sein, sonst hätte er ihn nicht gezeigt.

In deutschsprachigen Fundforen ist in so einem Fall eher mit keinen Antworten oder „Von dem Zeug wirst du noch mehr finden als dir lieb ist“ oder „Deine Gammelmünze stammt aus 1958, steht doch drauf, Depp“ zu rechnen. Wer besonders glücklos ist erhält ein "Müntz komt aus 58, noob!". Pisa lässt grüßen. Sondengänger repräsentieren halt alle Schichten der Bevölkerung und sind manchmal eher Männer der Schaufel als des Wortes.



Archäologen
Archäologen schauen z.T. auch in die Sondengängerforen des Internets, aber in aller Regel ohne sich zu erkennen zu geben. Die große Ausnahme ist ein Luxemburger Archäologe, Nickname Archaeos (sein Realname ist dem Verfasser bekannt und Archaeos selber hat ihn in Foren oft genug genannt), der selber Sondengänger war, bevor er anfing Archäologie zu studieren. Archaeos arbeitet mit vertrauenswürdigen, lokalen Sondengängern zusammen.

Natürlich hat der einzige Archäologe, dazu noch Luxemburger, einen ambivalenten Sonderstatus innerhalb der deutschen Sondengängerszene, in der sich deutsche Archäologen nicht erkennbar blicken lassen.

Einerseits suchen viele Sondengängerforen oder -institutionen die Nähe zur Amtsarchäologie und fassen ihn entsprechend mit Samthandschuhen an. Er steht dort gewissermaßen selbst unter Denkmalschutz.

Ich selber schätze sein Wissen. Ein Absatz aus einer Mail von ihm enthält oft mehr archäologische Informationen als ein ganzer Thread in einem Forum. Als einziger Archäologe lies sich Archaeos auf einem der jährlichen Schatzsuchertreffen in Osburg sehen und gab sogar einem Fernsehteam ein Interview zum Verhältnis von Archäologen und Sondengängern, in dem er für eine Kooperation beider Gruppen eintrat und sich sogar kritisch über seinen eigenen Berufsstand äußerte. So etwas sah man nie wieder vorher oder hinterher auf deutschen Fernsehschirmen [2] .
Andererseits hat Archaeos durchaus Freude an der Provokation und nichts ist ihm zu weit hergeholt, wenn er es zum Untermauern von Forderungen nach mehr Kontrolle über Sondengänger benutzen kann. Sobald sich z.B. irgendjemand irgendwo in Deutschland beim Entschärfen einer Granate im Hobbykeller in die Luft sprengt, was ein oder zwei mal im Jahr vorkommt, kommt prompt Archaeos und fordert – wohlgemerkt in Sondengängerforen – irgendwelche Einschränkungen für die Sondengänger, denn die Granate wurde doch wohl irgendwann mal mit einer Sonde gefunden.

Einen eigenen Humor besitzt er auch in Rechtsfragen, so vertrat er in einer Forumsdiskussion die Rechtsauffassung, die Suche ohne Genehmigung des Grundeigentümers (üblich in Waldgebieten) sei „versuchten Diebstahl“. Tatsächlich ist so etwas nicht illegal – sofern der Grundeigentümer die Suche nicht ausdrücklich untersagt hat oder das Gelände eingezäunt ist - und hat auch keine negativen Auswirkungen auf die Eigentumsrechte des Suchers an etwaigen Funden.

Geradezu legendär und immer wieder für eine Anekdote gut ist seine Jahre zurückliegende Anfrage in einem Amateurfunkerforum, ob man denn nicht Störsender auf Bodendenkmälern aufstellen könne, um Metalldetektoren funktionsunfähig zu machen. Wenn die Antwort auch negativ war, so muss man ihm doch Phantasie bescheinigen.

Trotz gelegentlichen Säbelrasselns ist Archaeos - verglichen mit seinen deutschen Berufskollegen - als ungewöhnlich realitätsorientiert, sondengängerfreundlich und in Sondengängerfragen kompetent einzustufen. Er ist gleichsam ein Wanderer zwischen den Welten der Berufsarchäologie und des Sondengängertums und wohl auch Kritik aus beiden Lagern ausgesetzt, aber dennoch um ihre Annäherung bemüht, und zwar seit Jahren. Es wäre gut, wenn es mehr wie ihm gäbe.

Reinrassige Archäologieforen mit fachlich kompetentem Stammpublikum gibt es im deutschsprachigen Raum merkwürdigerweise nicht. Es gab mal ein Forum mit dem Titel „Porta Historica et Antiqua“ mit fachlich gutem - wenn auch wie üblich gegen Sondengänger eingenommenen - Publikum, das jedoch mit dem Hinweis schloß „Das Forum hat genug Ärger gebracht. Jetzt ist es geschlossen.“

Die Uni Wien betreibt oder betrieb ebenfalls ein Archäologieforum, das sich jedoch zu großen Teilen mit internen Angelegenheiten des Unibetriebs beschäftigt. Als Sondengänger war/ist man dort wohl eher weniger willkommen.

Soweit zu dem Überblick über die deutsche Internetszene der Sondengänger, die häufig an eine Fernsehsoap erinnert.


Quellen

[1]
http://www.bodenfundforum.net/forum/index.php?showtopic=21026&st=0&p=163036&#entry163036

[2] TV Sendung „Jäger des verlorenen Goldes – Schatzsucher und ihr verteufeltes Hobby“, SWR 2002

[3] Eine kritische und knappe Darstellung des aktuellen Kenntnisstandes zu vielen der großen Schatzmythen (und anderen klassischen Geschichtsrätseln) findet sich in englischer Sprache auf meiner Website "Metal Detecting in Germany": "Classic history mysteries".

[4] Es gehört nicht zum Thema dieser Website, aber der weltweit linguistisch interessanteste Forumsuser, den ich jemals in einem Forum bemerkte, findet sich ebenfalls im BFF. Sein Nickname ist guntherprien47. Er ist Belgier und spricht ein hochinteressantes Deutsch. Selbst einfache Wörter werden falsch geschrieben, aber immer in der gleichen Art und Weise falsch. („diese sachen habe ich heute siemlich bilig gekaufd“[1]). Möglicherweise hat er sein Deutsch ausschließlich mündlich gelernt.

(C) Thorsten Straub, www.sondengaenger-deutschland.de