Schatzsucher Literatur Nugget

Geschrieben: März 2013

Inhalt

1. Vorbemerkung
2. Datums- und Nummernkennung
3. Historische Entwicklung
3.1 Gründungszeit: 1982-83: Nr.1 (1/82)-Nr.6 (2/83)
3.2 Phase 1: 1983 bis ca. 1990: Nugget Verlag GmbH
3.3 Phase 2: Ab ca. 1990: Verlagswechsel
4. Credo: Die Zeitschrift der Praktiker
5. Inhalte
5.1. Abenteuer
5.2. Gold
5.3. Mineralien
5.4 Schatzsuche
5.5 Historische Artefakte
5.6 Technik und Service
5.7 Rubriken
5.8 Geografischer Bezug
5.9 Heutiger Nutzwert
5.10 Nugget - ein Archiv
6. Autoren
7. Platz in der deutschen Suchgeschichte
8. Shop: Ware und Preise
9. Quellen und Anmerkungen

Vorbemerkung

1982 wurde die deutschsprachige Schatzsucherzeitschrift „Nugget – Abenteuer, Schätze, Gold, Mineralien“ gegründet.

Als ich im Sommer 2007 den Artikel „Sondengängermedien – Zeitschriften, Websites etc. für Sondengänger“ verfasste, hieß es darin über Nugget

„Dieses Magazin war das Beste, was der deutsche Markt je sah. Vor einigen Jahren konnte man noch alte Ausgaben bestellen, heute (2007) ist mir keine Quelle mehr bekannt.“

Über Jahre hinweg arbeitete ich jede Nugget Ausgabe durch, die ich in die Finger bekam. Und immer fand ich es etwas schade, dass es keine Bezugsquelle mehr gab, die eine größere Anzahl Ausgaben zu zivilen Preisen anbot. Es gab und gibt lediglich sporadische Angebote bei Ebay oder im antiquarischen Buchhandel.

Im Jahr 2011 bot sich die Möglichkeit einen Onlineshop für Nugget Hefte aufzubauen. Zwei Winter lang dauerten die Arbeiten und ich hatte Gelegenheit, mir jeden einzelnen Artikel in jeder einzelnen Ausgabe von der Nr. 7 (3/83) bis 37 (Mai 88) durchzulesen und mit dem ehemaligen Herausgeber sowie mit ehemaligen Autoren, Suchern und Fotografen zu sprechen; mir ein Exemplar jeder Ausgabe für meine persönliche Sammlung zu sichern; in mühevoller Fronarbeit ein 160 seitiges „Erweitertes Inhaltsverzeichnis“ zu erstellen, das nötig war, um den Informationsreichtum dieser Zeitschrift handhabbar und durchsuchbar zu machen.

Nun ist der Onlineshop fertig. Dies war der Anlass für diesen Artikel. Als Shopbetreiber bin ich nicht unbefangen, habe mich aber dennoch bemüht, hier viele Fakten aufzuführen.

Datums- und Nummernkennung

Intern wurde jede Ausgabe durch eine laufende Nummer gekennzeichnet. Auf dem Cover stand jedoch zunächst eine Datumskennung, die aus Jahr und laufender Nummer innerhalb des Jahres bestand. So trug die erste Ausgabe auf dem Cover die Kennung „1/82“, intern die Nr. 1.

Ausgabe 3/86 (=Nr. 27) war die letzte, die die Datumskennung auf dem Cover trug. Ab Nr. 28 wurde die Nummernkennung verwendet.

Historische Entwicklung

Unter drei verschiedenen Eigentümern machte Nugget drei Phasen durch.

Gründungszeit: 1982-83: Nr.1 (1/82)-Nr.6 (2/83)

Nugget wurde von einem Mann gegründet, dessen Name mir nicht bekannt ist. Diese ersten Ausgaben hatten nur wenige Seiten und waren praktisch zusammengeheftete Fotokopien. Ausgabe 2/83 z.B. umfasste 16 Seiten [2].

Phase 1: 1983 bis ca. 1990: Nugget Verlag GmbH

In dieser Phase gehörte Nugget der Nugget Verlags GmbH. Unter diesem Besitzer kam die Zeitschrift zur Reife und gewann mit den Jahren eine marktführende Stellung. Der Umfang nahm deutlich zu. So hatte Ausgabe Nr. 12 (2/84) mit 48 Seiten den dreifachen Umfang der Vorjahresausgabe, bei gleichem Preis von DM 5,-- [2]. Man konnte zunehmend Spitzenleute als Autoren gewinnen, z.B. den damaligen Star der deutschen Schatzsucherszene Reinhold Ostler, und die Redaktion erhielt immer mehr Hinweise aus der Bevölkerung.

Wann genau diese Phase zu Ende war, weiß ich nicht. Um 1990 herum. Nr. 37 (Mai 88) wurde sicher noch von der Nugget Verlag GmbH produziert.

Da mein Warenbestand die Nummern 7 bis 37 umfasst (wobei einige Ausgaben vergriffen sind), habe ich mich bisher hauptsächlich mit Phase 1 befasst. Im Rest dieses Artikels wird auf die Ausgaben dieser Phase 1 Bezug genommen.

Phase 2: Ab ca. 1990: Verlagswechsel

In dieser Phase gehörte Nugget einem anderen Verlag, der zahlreiche weitere Ausgaben herausbrachte. Die meines Wissens letzte Ausgabe zeigt die Himmelsscheibe und wird demnach um das Jahr 2002 herum herausgekommen sein. Soweit mir bekannt wurde die Herausgabe jedoch nie offiziell eingestellt. Typisch für diese Phase sind Mehrfachausgaben, die 2 oder 3 Ausgaben in einem Heft kombinieren.

Credo: Die Zeitschrift der Praktiker

Was Nugget von Anfang an auszeichnete, war, dass sie von Vollblutsuchern hergestellt wurde. Vom Herausgeber bis zu den Autoren waren es Leute, für die die Suche einen sehr wichtigen Teil ihres Lebens bildete. Die jederzeit bereit waren, alles stehen und liegen zu lassen, um mit viel Aufwand und Elan eine Suche zu starten. In fernen Ländern, wenn es sein musste; in heimischen Gefilden, wenn sich die Möglichkeit ergab. Die sich nicht scheuten, im hochalpinen Österreich im eiskalten Wasser nach Gold zu suchen; bei Witterungsbedingungen, bei denen das mitgereiste Fernsehteam lieber in der warmen Hütte blieb. Es wurde keineswegs immer etwas Tolles gefunden – manchmal auch gar nichts - aber es war immer spannend und die Macher fühlten sich dem Leser verpflichtet.

Viele Passagen in den Heften atmen diesen Geist. Stellvertretend für alle anderen wird nachfolgend Reinhold Ostler aus dem Vorwort zu Heft Nr. 15 (5/84) – in dem von der oben erwähnten Goldsuche in Österreich berichtet wird - zitiert:

Gold in unseren Regionen war uns bis dato nur in den einschlägigen Zentren Heiligenblut und Rauris bekannt. Deshalb waren wir auch skeptisch, als man uns von ungewöhnlichen Funden berichtete. Wir beschlossen letztendlich, uns selbst von der Ergiebigkeit zu überzeugen. Am Ende wussten wir, dass sich tatsächlich eine Sensation anbahnt –

Sollten wir das Gebiet bekanntgeben oder nicht? Wir entschlossen uns dazu, weil unsere Leser ein Recht darauf haben. – Es ist die verdammte Pflicht und Schuldigkeit einer Zeitschrift wie NUGGET, neue Möglichkeiten und Gebiete seinen Lesern zugänglich zu machen.
“[3]

Inhalte

Wie man dem Untertitel der Zeitschrift entnehmen kann, beschäftigt sie sich mit Abenteuern, konkret mit der Suche nach Naturgold, Mineralien und Schätzen. Auf diese Rubriken wird nachfolgend eingegangen.

Ein wichtiges Merkmal ist die Balance zwischen Theorie und Praxis. So wird z.B. über die klassische Schatzinsel Cocos Island Informationen zur Geschichte der Suche dort geliefert, aber sowohl die Autoren Reinhold Ostler als auch Peter Disch-Lauxmann [4] und der (noch heute existierende) Schatzsucherclub Cocos e.V. aus Berlin mit Wolfgang Lietz waren auch tatsächlich dort und haben gesucht [5].

Die Zeitschrift berichtet sowohl über spektakuläre Inhalte, die meist im Ausland angesiedelt sind und einen hohen Unterhaltungswert bieten, als auch weniger spektakuläre Inhalte, die dem Leser in Europa, vor allem in Deutschland und Österreich, die Möglichkeit bieten, selber auf die Suche zu gehen. In mehreren Vorworten steht, dass man den zahlreichen Leserzuschriften mit dem Wunsch nach europäischen bzw. inländischen Inhalten Rechnung getragen hat und dies auch weiterhin tun wird:

Für die „Fernreisenden“ unter Ihnen bringen wir einige interessante Fundstellen in Übersee. Aber keine Angst für die Schatzsucher, die lieber in Deutschland bleiben wollen, in der nächsten Ausgabe ist für alle – ob Nord oder Süd – etwas dabei.“ (Vorwort Nr. 1/85)

oder

Daß Ihre Zuschriften von uns aufmerksam gelesen werden, beweisen wir bereits in dieser Ausgabe, indem wir die zahlreichen Wünsche nach Berichten aus Europa berücksichtigt haben.“ (Vorwort Nr. 2/84)

Ergänzt werden diese Berichte z.B. durch technische Tests von Detektoren und anderen Ausrüstungsgegenständen sowie Meldungen zum Thema Schatzsuche aus aller Welt.

Zusammengefasst sind die Artikel dermaßen facettenreich, dass für jeden etwas dabei sein sollte. Ich persönlich betrachte meine Nugget Sammlung als Archiv und als eine Momentaufnahme der deutschen Schatzsucherwelt der 80er und 90er Jahre.

Abenteuer

Zwar könnte man viele Inhalte von Nugget unter diese Überschrift stellen, aber hier sind vor allem spektakuläre Aktivitäten außerhalb der Suche nach irgendwas gemeint. Beispiele dafür sind die dreiteilige Artikelreihe „Abenteuer auf dem Niger. 1. Motorboot-Rallye (Paris-)Niamey-Bamako. Ein deutsches Team schlägt sich durch.“ (Nr. 1/85-3/85) oder die Berichte über die Camel Trophy (Nr. 5/84, 2/85, 3/85).

Für die, die zu jung sind, um das zu wissen: In den 80ern war die Camel Trophy das Symbol schlechthin für ein Abenteuer in fernen Ländern, das man ohne große finanzielle Mittel oder ohne sich einen Namen gemacht zu haben erleben konnte, wenn man sich nur erfolgreich bei dem Zigarettenhersteller bewarb und hart genug war. Eine Art Rallye Paris-Dakar für den unbekannten Mann von der Straße. Es gab kaum eine Kinovorstellung, die ohne vorherige Werbung dafür begann, und ein eigenes Modelabel für Abenteurerkleidung wurde gegründet.

Gold

Gemeint ist hier die Suche nach natürlichen Goldvorkommen. Im Kapitel „Credo“ wurde bereits die Goldsuche in hiesigen Gefilden erwähnt. Das ist aber nur ein Beispiel unter vielen. Im erweiterten Inhaltsverzeichnis kommt das Wort „Goldsuche“ 54 mal vor. Zahlreiche Artikel drehen sich um die Goldsuche im Klondyke (viele Artikel von Rudolf Ertl), in Europa, oder anderswo. Die mit ca. DM 800.000,-- wohl kapitalintensivste Suche, die Nugget in Phase 1 jemals organisierte, richtete sich auf Naturgold in Liberia (Artikel in Nr. 36 und 37 beschreiben die Planung und suchen Mitstreiter).

Mineralien

Für den Mineraliensucher oder Strahler werden zahlreiche Fundstellen, vor allem in Alpenraum, beschrieben. So nahm ein Leser die Berichte über die Smaragde im Habachtal in den Ausgaben 3/84 und 5/84 zum Anlass, dort selber mal zu suchen. Er fand einen Smaragd mit 50 mm Länge und 20 mm Durchmesser. [6]

Schatzsuche

Berichte über die große und kleine Schätze sind eine Kernkompetenz von Nugget. Cocos Island wurde schon erwähnt.

Große, klassische, vielleicht auch mythische Schätze sind z.B. der Beale-Schatz, dessen codierte Beschreibungen bis heute nur teilweise geknackt sind. Über ihn berichtet ein großer 2 teiliger Artikel in 4/85 und 5/85, aber auch eine in Presse(kurz)meldung (Schatzsuche auf dem Friedhof in Bedford, Nr. 3/84).

„Das Gold im Salzbergwerk – Wie den Amerikanern bei Kriegsende die Reserven der Reichsbank in die Hände fielen“ wird in Nr. 6/83 beschrieben.

Großen Wert legte Nugget aber auch auf die kleinen Schätze, die zum Selbersuchen einladen. Während die klassischen Schätze auch in zahlreichen Büchern beschrieben werden, von Autoren, die nie selbst suchten, gehören Publikationen wie Nugget wahrscheinlich zu den besten Quellen für kleine Schätze in der Nachbarschaft. Die Schatzlandschaft Österreichs wird sehr ausgiebig in Rudolf Ertls umfangreicher Reihe „Es liegt so mancher Schatz in Österreich“ beschrieben. Aber auch zu Schätzen in Deutschland gibt es zahlreiche Artikel.

Historische Artefakte

Eine eigene Rubrik dafür gab es nicht, zahlreiche potentiell interessante Artikel für Sondengänger schon. Zahlreiche Artikel beschäftigen sich mit Burgen, militärischen Ereignissen oder Bodenfunden.

Als Beispiele seien nur die Artikel „Über 10.000 Pfeilspitzen und Armbrustbolzen auf altem Kampfplatz“ aus Nr. 32, S.22f genannt oder „Der ‚Streit zu Mühldorf‘ – Die letzte große Ritterschlacht auf deutschem Boden (Teil 2)“ aus Nr. 36, S.32ff, der auch präzise Ortsangaben enthält, wo Bodenfunde aus der Schlacht gefunden wurden.

Für Sondengänger ganz besonders relevante Artikel sind im erweiterten Inhaltsverzeichnis (s. Kapitel „Archiv“) mit dem Stichwort „Sondengänger“ versehen und damit leicht auffindbar. Aber auch nicht so markierte Artikel können für Sondengänger interessant sein.

Technik und Service

Hier wurden Ausrüstungsgegenstände aller Art getestet, von Tauchzubehör bis zu Geländewagen. Für Sondengänger sind natürlich die Detektortests historisch interessant. Getestet wurden zahlreiche Fertiggeräte, aber auch ein Bausatz, dessen Entwicklung einen noch heute sehr bekannten Elektronikhändler 1 Mannjahr gekostet hatte (Nr. 35), sowie die Schaltung zum Eigenbau „Goldnase“ aus einer noch heute sehr bekannten Elektronikzeitschrift (Nr. 8/84, mit Korrekturen in Nr. 1/85 ).

Rubriken

Hier fanden sich z.B. Presse- und Kurzmitteilungen. Ihre große Zahl macht sie wertvoll. Die Beschreibung ist zwar jeweils nur wenige Sätze lang, aber diese liefern genug Informationen, um weitere, eigene Recherchen in die Wege zu leiten, bis man ein Projekt entweder als zu substanzlos verwirft , vorerst im Archiv abheftet oder bis zur Suchreife recherchiert. Gut als Ideengeber und Archiv geeignet.

Wie wichtig auch Kurzberichte für das Erkennen von Zusammenhängen sein können, zeigt folgendes Beispiel: Der finanziell weltweit mit Abstand wertvollste bekannt gewordene Schatz der letzten Jahre wurde im Jahr 2011 in Indien, im Bundesstaat Kerala gefunden. Wert: Noch nicht endgültig zu beziffern, genannt werden 15 Milliarden Euro. Dieser wahre Märchenschatz wurde in einem Tempel gefunden. Wer nun glaubt, dass dies der erste Fund eines Megaschatzes in einem indischen Gebäude war, wird in Nr. 6/83 auf S.6 eines Besseren belehrt – in einem Kurzbericht von gerade mal 0.3 Seiten.

Geografischer Bezug

Zwar berichtet Nugget auch von Suchaktionen im Ausland und teilweise an exotischen Orten wie die Insel Bequia in der Karibik (Nr. 3/85) oder von der Planung einer groß angelegten, kapitalintensiven Suche nach Naturgold mit Bagger und Radlader in Liberia (Nr. 36 und 37). Dennoch lag von vorneherein der Schwerpunkt auf dem Ermöglichen einer realen Suche für Leser aus dem deutschsprachigen Raum. Ich habe zwar keine Statistik erhoben, vermute aber sehr stark, dass von allen erwähnten Ländern Deutschland und Österreich am häufigsten Schauplatz der beschriebenen Ereignisse waren.

Heutiger Nutzwert

Je nach dem, wofür man Informationen sucht, sind einige Beiträge heute natürlich veraltet. Wer heute vor der Kaufentscheidung eines Detektors steht, dem nützen die damaligen Detektortests wenig. Die getesteten Modelle werden heute samt und sonders von ihrem Hersteller nicht mehr angeboten. Und wahrscheinlich werden sich heute auch nur wenige Leute dafür interessieren, wer bei der Goldwasch-WM 1987 im finnischen Tankavaara bei den Junioren (unter 14) den 19. Platz belegte (falls doch: es war Janne Kapli, nachzulesen auf S.9 in Nr. 34). Andererseits wird ein Sondengänger von heute vielleicht wissen wollen, wie leistungsfähig und teuer die Geräte damals waren, um sein heutiges Gerät besser würdigen zu können und besser abschätzen zu können, wo die Technik in 30 Jahren wohl stehen wird. Ich jedenfalls lese mir auch alte Tests, Detektorwerbung und sogar Kleinanzeigen gerne durch und bin generell der Meinung, dass man in seiner heutigen Arbeit besser wird, wenn man etwas von der Geschichte seines Arbeitsfeldes weiß.

Da Nugget etwa alle 8 Wochen erschien und Aktualität fast nie eine große Rolle spielte, sind die oben angesprochenen Situationen jedoch Einzelfälle. Bei den meisten Artikeln würde es wohl nicht auffallen, wenn man sie unverändert in heutigen Schatzsucherzeitschriften abdrücken würde, vorausgesetzt, man ersetzt die schwarz-weiß Fotos durch farbige. Die großen Schätze sind heute noch weitestgehend ungefunden. (Einzige mir bekannte Ausnahme: Das Goldschiff SS Central America, erwähnt als „Central American“ in Nr. 3/83, wurde inzwischen von Tommy Thompson gefunden). Die besprochenen Mineralien- und Naturgoldfundstellen werden auch in 100 Jahren noch etwas hergeben. Die Suche nach Naturgold ist heute vielleicht sogar attraktiver als vor 30 Jahren, da der Goldpreis heute nominal etwa 4 mal so hoch ist. Und wer heute aufgrund eines Nugget Artikels auf Schatzsuche in Deutschland geht, wird vor Ort kaum Konkurrenz antreffen. Kurz nach Veröffentlichung der Hefte war das vermutlich anders. Kurzum, die meisten Inhalte sind – wie die Freude am Suchen – zeitlos.

Was man natürlich nicht erwarten sollte, sind Karten, womöglich noch aus der eigenen Nachbarschaft, auf denen ein Kreuz anzeigt, wo ein Schatz vergraben ist. So etwas gibt es in der Realität nicht. Auch die Nugget Redaktion der 80er Jahre konnte nicht zaubern und selber recherchieren musste und muss auch der Nugget Leser. Die Zeitschrift konnte nur Startpunkte liefern. (Wer trotzdem unbedingt eine Schatzkarte mit Kreuz will, kann sich Nr. 36 auf S. 19 ansehen. Dort zeigt ein Kreuz die Lage von 148 römischen Silberstücken in Südpolen, und zwar auf einer so großmaßstäblichen Skizze, dass eine präzise Lokalisierung möglich sein sollte. Leider wurde der Schatz schon 1964 geborgen, aber vielleicht wurde etwas übersehen.)

Nugget - ein Archiv

In Ihrer Gesamtheit bieten die Nugget Ausgaben ein wertvolles Archiv. Aber auch das beste Archiv nützt nur etwas, wenn man das Gesuchte auch schnell findet. Deswegen haben große Zeitschriften längst digitale, durchsuchbare Varianten ihrer alten Ausgaben oder zumindest digitale Gesamtinhaltsverzeichnisse herausgebracht. Bei Nugget geschah das meines Wissens nach nie.

Daher habe ich für meinen eigenen Bedarf das „Erweiterte Inhaltsverzeichnis Nugget Nr.7 bis 37“ geschrieben, das wesentlich mehr Informationen umfasst als die ursprünglichen gedruckten Inhaltsverzeichnisse, vor allem Personen-, Orts- und Schiffsnamen. Da dies auch für andere nützlich sein könnte, wird es im Shop (siehe unten) als Download angeboten. In geringfügig eingeschränkter Form wird dieses erweiterte Inhaltsverzeichnis auch zur Beschreibung der einzelnen Ausgaben im Shop eingesetzt. Wer sich also detailliert über die Inhalte einer Ausgabe informieren möchte, kann das im Shop tun, ohne etwas kaufen zu müssen. Allerdings werden derzeit nicht alle Ausgaben der Nummern 7 bis 37 im Shop angeboten.

Autoren

Eine Zeitschrift wie Nugget steht und fällt mit ihren Autoren. Sie sollten Fachleute oder begeisterte Sucher sein, im Idealfall beides. In beiden Punkten stehen die Nugget Autoren hervorragend da. Noch heute, 30 Jahre später, haben viele Autoren einen hervorragenden Fachruf und blicken auf eine langjährige, erfüllte Tätigkeit in genau demselben Feld zurück, für das sie einst in Nugget schrieben. Als Sucher, Buchautoren oder beides.

Einige sind mittlerweile leider verstorben, wie der kritische Cocos-Island Autor Peter Disch-Lauxmann oder der Sondengänger Ernst Heger, der seine Fundsammlung dem Fachbereich Archäologie am Salzburg Museum hinterließ. Der Museumsverein schrieb

Die archäologischen Fundgegenstände und Fachbücher aus dem Nachlass von Ernst Heger sind Zeugnisse einer lebenslangen Begeisterung für die Geschichte und eines überbordenden Enthusiasmus im Aufspüren.“[7]

Die meisten Autoren konnte ich sprechen. Sie sind heute noch in ihrem Fach und/oder als Sucher aktiv. Franz-Josef Andorf, der viele Artikel zum Thema Schatzsuche schrieb, ist immer noch als Goldsucher unterwegs. Reiner Degner, dem die Zeitschrift viele spannende und informative Artikel und wertvolle Illustrationen verdankt, betätigt sich als Schatzsucher. Hasso Lutz Gehrmann, der viele Artikel zum Thema Mineraliensuche schrieb, ist Autor von Führern für Mineraliensucher, selbst begeisterter Sucher und betreibt noch heute einen Mineralienhandel. Wolfgang Lietz, der damals auf Cocos Island suchte, ist heutigen Fernsehzuschauern als Sucher nach dem Schatz der Gebrüder Sass im Berliner Grunewald ein Begriff. Reinhold Jordan, der die Zeitschrift numismatisch begleitete, ist heute mit der Deutschen Numismatischen Gesellschaft Schweinfurth assoziiert. Die Liste ließe sich leicht fortsetzen.

Abschließend und stellvertretend für andere Autoren, die damals wie heute Fachkenntnisse und die Fähigkeit zum Schreiben von Fachbüchern mit den Charaktereigenschaften eines Vollblutsuchers kombinieren, sei Wolfgang Schüler etwas näher vorgestellt, der auf dem Titelbild von Nr. 28 zu sehen ist. Diplom-Ingenieur von Beruf, betreute er damals die Technik Sparte von Nugget. Er erklärte die Wirkungsweisen von Metalldetektoren und führte Gerätetests durch. Den Freunden der Ortungstechnik ist er als Buchautor von „Metallortung mit Detektoren“ (1987) und „Ortungstechnik für Profis“ (1999) bekannt. Das zweite Buch ergänzt das erste thematisch, beschäftigt sich insbesondere mit der Tiefenortung an Land sowie der Unterwasserortung und wird noch heute bei Amazon gelistet. Er ist der Entwickler der ersten Version eines bekannten deutschen PI-Detektors und Mitentwickler des noch heute aktuellen und weltweit vertriebenen Nachfolgemodells. Dabei ist Herr Schüler kein Theoretiker: Zu seinen veröffentlichten Spitzenfunde gehören eine vergrabene Milchkanne mit - Zitat - „höchst interessanten Inhalt“, abgebildet in seinem 2. Buch auf S. 165, sowie ein Meteorit von 20 Kg.

Platz in der deutschen Suchgeschichte

Die Zeitschrift Nugget war die erste professionell gemachte Schatzsucherzeitschrift in Deutschland, die sich langfristig am Markt etablieren konnte. Es gab immer mal wieder – teilweise durchaus lesenswerte - Versuche eine Zeitschrift zu gründen, aber die endeten meist nach einigen Ausgaben, die mehr oder weniger wie zusammengeheftete Fotokopien aussahen.

In der Phase 1 (siehe Kapitel „Historische Entwicklung“)…

… erschien Nugget mit guter Regelmäßigkeit 6 Ausgaben pro Jahr

… wurde Nugget in professioneller Druckqualität gefertigt

… wurde Nugget teilweise auch an öffentlichen Verkaufsstellen wie Bahnhofskiosken angeboten, so dass sie vom Massenpublikum wahrgenommen wurde. Für eine Zeitschrift stellt das eine Art „Adelsschlag“ da. (Nugget reagierte darauf mit der Einführung eines neuen Logos oben links statt einer Überschrift über die gesamte Breite, weil am Verkaufsstand meist nur das linke Drittel zu sehen ist. Diese Veränderung trat mit Ausgabe 2/85 in Kraft, ab der Nugget mit größerer Auflage bundesweit in den Verkauf geht, wie das Vorwort dieser Ausgabe erklärt.)

… erreichte der Organisationsgrad der von Nugget organisierten Suchen ein Niveau, das meines Wissens weder davor noch danach jemals wieder in Deutschland erreicht wurde. Die große Suchaktion am Inn im Herbst 1984 war auf 400 Sucher zu Land und 200 Tauchern hin konzipiert worden. Für die Naturgoldsuche in Liberia wurden ca. DM 800.000,-- aufgebracht.

Die Gesamtzahl aller Nugget Ausgaben, also inklusive Phase 2, lag bei mindestens 50, vielleicht sogar 60.

Auch heute gibt es schöne Schatzsucherzeitschriften, die hochwertige Artikel beinhalten, durchgehend farbig bebildert sind (das Innere der Nugget Ausgaben der Phase 1 ist schwarz-weiß) und den Vorzug aktueller Detektortests haben. Es ist prima, dass es sie gibt, denn jahrelang gab es praktisch keine aktuelle Zeitschrift für deutschsprachige Sucher und man musste neidisch nach England schielen. Aber nach Originalität der Geschäftsidee, Gesamtanzahl der Ausgaben und der Gesamtmenge der Informationen, Anzahl der Ausgaben pro Jahr, sowie dem Organisationsgrad der von der Zeitschrift organisierter Suchen kommt bisher (März 2013) keine aktuelle Zeitschrift auch nur annähernd an Nugget heran. Zum Vergleich: Die heute existierende deutsche Schatzsucherzeitschrift mit der größten Zahl an Ausgaben kam etwa 2003 auf dem Markt und bietet zur Zeit ihre 12. Ausgabe an, im Schnitt also etwas mehr als eine Ausgabe pro Jahr.

Aus der Summe aller genannten Eigenschaften resultiert, dass Nugget in der Geschichte der deutschen Schatzsuche immer eine besondere Bedeutung haben wird.

Shop: Ware und Preise

Der Shop bietet gedruckte Nugget Zeitschriften aus den 1980er Jahren sowie das digitale „Erweiterte Inhaltsverzeichnis“ als Download an.

Shop: http://www.schatzsucher-literatur.de/nugget/

Ware: Vertrieben wird ungelesener Lagerware mit altersbedingten Lagerspuren.

Preise: Ab 3,-- pro Heft zzgl. Versand.

Im Downloadbereich ist unter http://www.schatzsucher-literatur.de/downloads/zeitschrift-nugget/inhaltsverzeichnis.html das “Erweiterte Inhaltsverzeichnis Nugget Nr. 7-37“ erhältlich, das als digitales Findmittel konzipiert wurde. Siehe Kapitel „Archiv“.

Quellen und Anmerkungen

[1] Menupunkt Hintergründe/Szene/Sondengängermedien bzw.

http://sondengaenger-deutschland.de/higr/szene/sogama/sondengaengermagazine.html

[2] Vorwort Nr. 12 (2/84), S. 3

[3] Vorwort Nr. 15 (5/84), S.3

[4] Vierteilige Reihe „Das Cocos-Syndrom“. Teile 2-4 sind in den Heften Nr. 7 (3/83) –Nr. 9 (5/83).

[5] Bericht Nr. 34, S. 26 ff

[6] Bericht in Nr. 4/85, S.42

[7] Ehemaliger Link http://www.museumsverein.at/pdf/Smbl2009_01-02.pdf
(Im März 2013 nicht mehr gültig)

(C) Thorsten Straub, www.sondengaenger-deutschland.de